Beyond good and evil (5+,5c,A1/A2) – Schwierige Eis- und Mixedroute an der Nordwand der Aguille de Pelerins im Mont-Blanc-Gebiet – Erstbegangen durch Mark Twight, kompromissloser Alpinist und Autor des Bestsellers „Steig oder stirb: Geständnis eines Bergsüchtigen“.

Die Mont-Blanc-Gruppe ist in Bergsteigerkreisen nicht nur wegen des höchsten Gipfels der Alpen bekannt sondern vor allem auch wegen seiner Vielzahl an anspruchsvollen Eis -und Mixedrouten. Dieses Bild hat vor allem auch Mark Twight mit seinem Buch „Steig oder stirb: Geständnis eines Bergsüchtigen“ geprägt, der Chamonix, die Bergsteigerstadt am Fuße des Mont Blanc, für einige Jahre zu seiner Wahlheimat gemacht hat. Dort hat der US-Amerikaner auf kompromissloseste Art und Weise seinen „extremen Alpinismus“ gelebt und damit eine ganze Generation von ambitionierten Eisklettrern beeinflusst. Mark Twigths bekannteste und zugleich schwierigste Erstbegehung in den französischen Alpen ist die Route „Beyond good and evil“, die ihm im Jahre 1992 gelang und in ihrer deutschen Übersetzung auf den vielsagenden Namen „Jenseits von Gut und Böse“ lautet.
Nachdem ich erfahre, dass französische Kletterer eine der wenigen Wiederholungen dieser bedeutsamen modernen Mixedroute für sich verbuchen konnten, ist für mich sofort klar, dass diese Gelegenheit genutzt werden muss. Wenige Tage später nehmen wir die erste morgendliche Bergfahrt mit der Aguille-du-Midi-Seilbahn. Von deren Mittelstation stapfen wir zuerst durch Schnee und Geröll, später über einen zerklüfteten Gletscher, zum Wandfuß der Aguille de Pelerins. Durch dessen 600 Meter hohe Nordwand zieht in beeindruckender Routenführung die Route „Beyond good and evil“.


Der Bergschrund stellt kein größeres Hindernis dar. Es folgen heikle Mixed- und Eiskletterpassagen auf dünnen Eisglasuren. Anschließend klettern wir zügig weiter bis an den Fuß einer vereisten Bilderbuchverschneidung, die die Schlüsselstelle im unteren Bereich der Route darstellt. Die Kletterei durch diese senkrechte Verschneidung verlangt höchste Konzentration. Die Absicherung ist äußerst spärlich: Auf einer Länge von knapp 60 Metern können nur zwei mobile Sicherungsmittel in einem vereisten Riss untergebracht werden. Eisschrauben können keine eingesetzt werden, da sich das Eis vielfach nur in den schmalen Rissen versteckt und somit viel zu fragil und dünn ist. Immer wieder suchen unsere Steigeisen und Eisgeräte halt an kleinen Leisten im senkrechten Fels. Nach weiteren 300 Höhenmetern steiler Eiskletterei gelangen wir zur Schlüsselstelle des oberen Routenteils. Die Felsstruktur ist hier durch eine dünne Schicht aus Eis und Schnee verdeckt. Die Kletterei ist sehr unübersichtlich. Unsere Steigeisen kratzen immer wieder suchend über den Fels, da die kleinen Unebenheiten der Felsstruktur nur schwerlich unter der dünnen Eisschicht erkannt werden können. Mit den Eisgeräten suchen wir nach Hooks in den vereisten Rissen. Ein letzter steiler Felsaufschwung leitet uns auf die Scharte unterhalb des Gipfels der Aguille de Pelerins und somit auch an das Ende der Hauptschwierigkeiten. Nun löst sich die Anspannung und berauschende Glücksgefühle machen sich breit. Die kalten Finger und müden Muskeln machen sich jetzt bemerkbar. Diese äußerst schwierige alpine Mixedrouten des Mont-Blanc-Gebietes verlangt von ambitionierten Klettrern einiges an Kraft, Ausdauer und Moral.
Einmal mehr haben uns die Berge der Mont-Blanc-Gruppe davon überzeugt, dass kaum ein anderes Gebiet der Alpen so viele hochwertige, anspruchsvolle und renommierte alpine Mixedrouten zu bieten hat. Wer steile Eis- und Mixedkletterei liebt, wird sich von den abweisenden Wänden um Chamonix angezogen fühlen und sich schwerlich von ihrem Bann befreien können.

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Veit Bertagnolli: Ihr Bergführer aus Südtirol

Es würde mich freuen, Sie auf Ihren Bergunternehmungen in den Nordwänden, Eisrinnen, Goulottes und Couloirs des Montblanc-Gebietes zu begleiten. Sie sind herzlich eingeladen, eine unverbindliche Anfrage an mich zu stellen.

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